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Landesmuseum Württemberg Modemuseum im Schloss Ludwigsburg

Modemuseum im Schloss Ludwigsburg

Seit 2004 zeigt das Landesmuseum Württemberg Teile seiner Kostümsammlung im Festinbau von Schloss Ludwigsburg. Zu sehen ist europäische Kleidung der Zeit zwischen 1750 und 1970 – etwa 700 originale Kostüme und Accessoires für Damen, Herren und Kinder. Sie veranschaulichen die vielfältigen Erscheinungen der Mode vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, politischer und technischer Entwicklungen. Eine Auswahl der Exponate finden Sie hier.

[ 38 Objects ]

Dieses Hofkleid soll aus dem Besitz der Marchesa Secco d’Aragona di Mondonico (Brianza, Lombardei) stammen und zur Krönung Napoleons zum König von Italien in Mailand 1805 getragen worden sein. Das bodenlange Kleid mit Schleppe weist die für diese Zeit typische hohe Taille des Empire Stils auf und wird am Rücken durch einen Schnürverschluss geschlossen. Auf den elfenbeinfarbenen Seidentaft sind kleine Streublümchen in Silberlahn gestickt, mit dem auch die aufwändig gestickte Borte am Saum des Kleides verziert ist. Silberlahn ist ein mit geplättetem Silberdraht umwickelter textiler Faden, der für prunkvolle Stickereien oder als Zierfaden in Geweben verwendet wurde.
[Julia Mederus]

Hofkleid im Empire Stil

Dieser Herrenrock ist ein Musterbeispiel für den Justaucorps aus dem 18. Jahrhundert. Der Justaucorps diente, als Teil des Habit à la française, nach 1770 hauptsächlich als höfische Galakleidung. Der blaue, etwa knielange und langärmlige Rock ist tailliert und hat vier Schöße, sowie einen kleinen Stehkragen. In diesem Fall wurde der Herrenrock zu einer Culotte aus dem selben fein gemustertem Stoff und einer farblich passenden Weste getragen.
Der Herrenrock ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[M. Labisch]

Herrenrock

Das hochrechteckige Gewebe ist ein Paradebeispiel für das Prinzip der Arbeitsteilung im 18. Jahrhundert. Ein Schneider hätte das bestickte Gewebe zunächst in einzelne Teile zerschnitten und dann vernäht, wobei er dieser Vorderseite einen Rücken aus Leinen angenäht hätte. Wie sparsam man mit dem Stoff umging, lässt sich daran erkennen, dass einer der Schöße mit Tasche auf dem Gewebe unten links versetzt gestickt ist, man also eine Naht in der endgültigen Weste in Kauf nahm. Auf der weißen Taftseide lassen sich abgesehen von den mit Blumengebinden bestickten Taschen auch die mit Borten und kleinen stilisierten Blümchen verzierten Kragenecken und Säume ausmachen. Die runden Motive mit applizierten Pailletten in der rechten unteren Ecke waren zum Beziehen der Knöpfe vorgesehen. Eine Sonderstellung nahmen die Patten ein: Sie wurden separat angefertigt und auf das Grundgewebe geheftet.
Die Herrenweste ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[M. Labisch]

Herrenweste - nicht zugeschnitten

Die Bezeichnung für die Robe à la polonaise, ein aus Manteau und Jupe bestehendes Damenkleid nach polnischer Art, verweist auf die Herkunft dieser Kleidermode und spielt zudem ironisch auf die Teilungen Polens ab 1772 an. Bei einer solchen Robe weist der Manteau seitlich und hinten zwei oder - wie hier - drei Puffen auf, welche mit Hilfe einer durch einen Ring gezogenen Kordel entstehen können. Unter der Jupe wurde üblicherweise ein Reifrock getragen.
Das dargestellte Exemplar besticht durch seinen lachsgrundigen Pékin-Stoff, für den parallele Längsstreifen charakteristisch sind, und der in diesem Fall auch einen "Chiné à la branche" genannten Effekt aufweist. Kennzeichnend dafür ist das etwas unscharfe Musterbild des Gewebes. Dafür muss die Kette vor dem Eintrag der Schussfäden bedruckt werden. Die beim Webvorgang sich ergebenden Verschiebungen bewirken dann das "geflammte" Aussehen des Musters - ein Effekt, der sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts besonderer Beliebtheit erfreute.
Erworben aus Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg.
Das Kleid ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Kleid - Robe à la polonaise

Schnallen wie diese dienten im 17. und 18. Jahrhundert dazu, die Culotte, die von Herren getragene Kniehose, unterhalb des Knies zu schließen. Hierzu wurden sie an einem ringsum angenähten Knieband angebracht. Ab etwa 1740 kamen je Hosenbein jedoch auch drei bis vier sichtbare Knöpfe als Verschlussmöglichkeit auf.
Die vorgestellten Knieschnallen - so wurden diese dekorativen Verschlüsse auch genannt - sind aus vergoldeter Bronze gefertigt. Sie bestehen aus einem querovalen, leicht gewölbten Rahmen, der am inneren Rand geriffelt ist. Die restliche Oberfläche ist komplett mit einem Rautennetz verziert, in das kleine Buckel eingearbeitet sind. Der Verschluss aus Eisen besteht jeweils aus einer quer zum Rahmen verlaufenden Brücke, an der auf der einen Seite zwei gerade Dornen und auf der anderen Seite ein geschwungener Bügel befestigt sind.
Die Schnallen sind im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Culotteschnallen

Die Damenschuhe bestehen aus weißem Glacéleder, einer speziellen Art von Lamm- oder Ziegenleder, das seine helle Farbe durch eine besondere Form der Weißgerbung erhält. Die Vorderkappen der Pantoffeln sind mit weißem, mit Kreuzchen verziertem Seidenrips bezogen und mit einem rosafarbenen, gerafften Seidenband besetzt. Als Bezug für die geschwungenen Absätze wurde rotes Saffian-Leder verwendet. Damit ist klar, aus welchen Kreisen die Trägerin dieser Schuhe stammte, denn rote Absätze waren zu dieser Zeit immer noch dem Adel vorbehalten.
Ausgestellt im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg.
[Martin Labisch]

Schuhe

Um die seitlich weit ausladenden Roben in Form zu halten, trugen die Damen des 18. Jahrhunderts unter dem Rock den sogenannten Reifrock, ein mit Fischbein versteiftes Gestell. Um 1770 entwickelte sich daraus die hier gezeigte, leichtere Variante: zwei kleine, nur noch mit Bändern verbundene Hüftgestelle die für gewöhnlich bis zu den Knien reichten. Sie werden als "Poschen" bezeichnet, nach dem französischen Ausdruck für Tasche. Und als solche wurden sie auch genutzt, denn die Hohlräume bieten genügend Platz, um allerlei Utensilien unterzubringen. An diese Dinge gelangte die Trägerin mittels der praktischen Eingriffschlitze im Kleid und der entsprechenden Öffnungen der Poschen.
Diese Poschen sind im Rücken durch ein Leinenbändchen verbunden und werden vorne jeweils in Taillen- und Hüfthohe durch weitere Leinenbänder verknüpft. In beiden Teilen befindet sich oben in Form einer länglichen, rechteckigen Öffnung eine Tasche. Mit der Innenseite liegen sie eng am Körper an, während die gespannte Außenkontur jeweils durch gleich große, halbkreisförmige Fischbeinstäbe entsteht.
Die Poschen sind im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Poschen

Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurden Täschchen und Beutel bei eleganten Damen zum neuen modischen Accessoire schlechthin. Sie waren notwendig geworden, da die in Mode gekommenen dünnen Hemdkleider, die sogenannten Chemisen, keine Möglichkeit mehr für die Einarbeitung von Gewandtaschen boten.
Die abgebildete Handtasche besticht vor allem durch das verwendete Material und dessen Verzierung. Sie besteht aus feinem, weichem Ziegenleder, dessen besondere Gerbung ursprünglich aus Marokko kommt - weswegen die Taschen auch als Maroquinbeutel bezeichnet wurden. Besonders schön ist bei diesem Exemplar die Profilierung des Leders: Sie zeigt durch aufmontierte Eisenstäbchen unterteilte, stilisierte Blattreihen, die unten mit einem Fries aus Rauten und Kreisen abgeschlossen sind.
Erworben aus Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg.
Die Handtasche ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Handtasche

Ein Mantelkleid wie dieses wird auch mit dem französischen Begriff für Umschlag oder Hülle als Enveloppe bezeichnet. Etwa zwischen 1795 und 1815 trugen modisch gekleidete Damen diese Mäntel über ihren dünnen Chemisen. Zuvor hatten ihnen als Schutz vor Kälte lediglich wärmende Schals oder weite, wattierte Umhänge zur Verfügung gestanden, da über die voluminösen Rokokoroben keine Mäntel gepasst hätten.
Typisch für die Enveloppes sind die langen, anliegenden Ärmel und die hohe, dem darunter getragenen Kleid angepasste Gürtung. Sie waren meist etwas kürzer gehalten als die Kleider. Hergestellt wurden sie aus Samt- oder Wollstoffen, waren gefüttert oder wattiert und häufig auch mit Pelz besetzt.
Dieser Mantel ist hochgeschlossen, hat einen kleinen Umlegekragen und Puffärmel. Außerdem stellen seine kleinen, mit Schleifen verdeckten Verschlussknöpfe einen weiteren Vorteil gegenüber den bis dato gängigen Umhängen dar, denn diese mussten noch von Hand zugehalten werden.
Erworben aus Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg.
Der Mantel ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Mantel - Enveloppe

Der Herrenhabit, der aus einer modischen Extravaganzen gegenüber sehr aufgeschlossenen Zeit stammt, ist in dieser Zusammenstellung überliefert: Zu Rock und Culotte in einer gestreiften Seide mit auffälliger Farbkombination wurde eine einfarbige, helle Seidenweste mit bunten Stickereien getragen: Es finden sich darauf Blumenranken, Federn und Beerenzweige, kleine Äste und Schmetterlinge. Der Kontrast zwischen diesen Seidenstickereien und dem streng linear aufgefassten Gewebemuster könnte größer kaum sein - und dennoch ist es gerade die raffinierte Diskrepanz, die dem Ensemble seinen besonderen Reiz verleiht, und die den Träger sicher in jeder Gesellschaft zu einem Blickfang gemacht hat.
Erworben aus Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg.
Der Anzug ist ausgestellt im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg.
[Martin Labisch]

Anzug - Habit à la française

Immer wieder werden Kleidungsstücke aus der Welt der Arbeit in die der Mode übernommen. Diese Aneignungen waren auch in früheren Jahrhunderten üblich. So verweist der helle Herrenmantel schon mit seiner historischen Bezeichnung auf seine Vorbilder, war doch "Carrick" der auf einen Kutscher zurückzuführende englische Name einer Kutsche. Und an Kutschermänteln, deren mehrlagige, große Schulterkrägen den Kutschern Schutz vor Wind und Regen bieten sollten, hat man sich auch bei diesem eleganten Reisemantel orientiert. Der funktionale Aspekt der schützenden Krägen aber ist hier zu einem dekorativen Gestaltungselement geworden: Baumwollpiqué ist weder wärmend noch wasserabweisend.
Später entstand aus dem Carrick der Staubmantel, der Schutz beim Sitzen auf einem Pferd, einem Kutschbock oder heutzutage auf einem Motorrad verspricht.
Erworben aus Toto-Lotto-Mitteln.
Der Mantel ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Mantel - Carrick

Im 18. und auch noch im 19. Jahrhundert achteten Damen der Gesellschaft streng darauf, ihren blassen Teint zu erhalten, galt gebräunte Gesichtsfarbe doch als Kennzeichen einer sozialen Schicht, die im Freien arbeitete. Der Sonnenschirm, der hierbei zum Einsatz kam, hatte nicht nur schützende Funktion. Er entwickelte sich zu einem Gegenstand weiblicher Koketterie: Mit ihm konnte man das Gesicht vor allzu neugierigen Blicken schützen oder es effektvoll im Halbschatten in Szene setzen. Als Accessoire flirtiver Kommunikation wurden Sonnenschirme zu regelrechten Luxusobjekten, gefertigt aus edlen Materialien wie Seide, Spitze, Halbedelsteinen, Perlmutt oder, wie hier, geschnitztem Elfenbein.
Im 19. Jahrhundert war der Knickschirm, kurz Knicker, sehr beliebt. Sein Dach lässt sich zur Seite umklappen und damit wie ein Fächer handhaben. Angelehnt an die galante Zeit der Madame Pompadour wird er auch Marquise genannt.
Der Sonnenschirm ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[M. Labisch]

Sonnenschirm - Knicker

Im Zuge der Lebensreformbewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts kämpften Mediziner und Frauenrechtlerinnen für eine Mode ohne Korsett. Die deformierende und gesundheitlich bedenkliche Einwirkung des Korsetts auf den Körper sollte zu Gunsten der lockeren Reformkleider abgeschafft werden. Für naturheilkundliche Maßnahmen wie das Licht- und Luftbad wurden erstmals Badekleider entworfen. Das rote Damenbadekleid stammt aus England und kann auf die Zeit um 1900 datiert werden. Es ist aus Baumwolle gewebt und bestickt. Das leichte, weite Hemd und die knielange Hose lassen die Haut atmen und geben dem Körper Bewegungsfreiraum.
[Julia Mederus]

Damen Badeanzug für Licht- und Luftbäder

Dieser Herrenhausmantel wurde um 1730 in Großbritannien hergestellt und war auf Grund seines kostbaren Materials einem Mitglied der obersten Gesellschaft vorbehalten. Der grüne Seidendamast zeigt ein grossrapportiges, verschlungenes Pflanzenmuster, welches den sogenannten „spätbizarren Seiden“ zugeordnet werden kann. Der knielange Mantel ist tailliert geschnitten und unterhalb der Taille weit ausgestellt. Er wird mit nur einer der beiden stoffbezogenen Knopfreihen geschlossen. Die auf Form geschnittenen Ärmel laufen nach unten weit aus und ihre großen Aufschläge werden von Knöpfen und Posamentenschlaufen gehalten. Zu sehen ist er im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg.
[Julia Mederus]

Herrenhausmantel aus „bizarrer Seide“

Ein Herrenhabit bezeichnete ab etwa 1750 den Justaucorps, den Männerrock, beziehungsweise allgemein die gesamte Hauptoberbekleidung des Mannes. Wie in der Mitte des 18. Jahrhunderts üblich, besteht dieser Herrenhabit aus Mantel-ähnlichen Justaucorps, Culotte und Weste. Auffällig ist das Rosa des Stoffes mit dem in Silberlahn eingewebten Motiven aus sich wiederholenden Blüten- und Blattmotiven. Diese kleinteilige und feine Art der Musterung ist typisch für ein Herrenhabit dieser Zeit und steht im Kontrast zu den eher großen, wenn auch teilweise grazilen Mustern der Stoffe von Damenkostümen. Die auffallend palettenreiche Farbigkeit und Musterung der Stoffe ist charakteristisch für die männliche Prunkkleidung des Frühklassizismus, die noch zahlreiche Elemente aus dem Rokoko aufweist.
Erworben aus Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg.
Der Herrenanzug ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Herrenanzug - Habit à la française

Das aus drei Teilen bestehende Kleid ist ein typisches Beispiel für die Robe à la française, das Kleid nach französischer Art, einer vorherrschenden Kleidform im 18. Jahrhundert. Sie wird geprägt durch den Manteau à dos flottant, der zwei auffällige, von den Schultern herabfallende Watteaufalten hat. Das vorne taillierte Oberteil des Manteaus hat ein tiefes, rechteckiges Dekolleté und bis zu den Ellenbogen reichende Ärmel mit Rüschen und Volants. Ein schmaler, separat gearbeiteter Stecker, verziert mit Rüschen, einer Schleife und Knöpfen, bedeckt den Ausschnitt. Der seitlich und im Rücken in Falten gelegte Rock, die Jupe, welcher hinten mit Bändern gebunden wird, hat, ebenso wie der Manteau, seitliche Eingriffe und Falbel-Verzierungen. Das verarbeitete Seidengewebe zeigt auf blauem Grund ein elegantes, weiß-silbriges Muster aus wellenartig aufsteigenden Blütenranken mit Federmotiven und einzelnen Blumenbouquets. Die Trägerin dieser Robe konnte sich gewiss sein, nicht übersehen zu werden.
Erworben aus Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg.
Das Kleid ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Damenkleid (Robe à la française)

Die Robe à l’anglaise, das Kleid nach englischer Art, verbreitete sich ab etwa 1770 von England aus zunächst über Frankreich, später in ganz Europa, und löste allmählich die Robe à la française als beliebteste Kleidform ab. Dieses Damenkostüm fällt durch die außergewöhnlich schöne Bemalung des Stoffes auf. Das Muster zeigt wellig geführte Ranken mit Blüten und Blättern, zwischen welchen die einzelnen Streublumen besonders gut zur Geltung kommen. Eine stilvolle Robe also, die von modischen Damen zur Zeit von Marie Antoinette begeistert aufgenommen wurde, ist sie doch deutlich bequemer und kleidsamer als die bis dato dominierende französische Kleidform.
Erworben aus Lotto-Mitteln.
Das Kleid ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Martin Labisch]

Damenkleid (Robe à l’anglaise)

Der Verzicht auf Schnürungen und formgebende Reifröcke oder Polster, die hohe, unter der Brust sitzende Taille und der gerade Schnitt sind Ausdruck eines sich ab etwa 1788 allmählich durchsetzenden neuen Kleiderstils. Infolge der mit dem frühen Klassizismus aufgekommenen Begeisterung für die Antike waren Kleider im griechischen Stil Mode geworden. Die sich daraus entwickelnde "chemise", ein hemdartiges Kleid aus hellem, leichtem, oft durchsichtigem Stoff, ist charakteristisch für die europäische Damenmode während Directoire und Empire, also zwischen etwa 1795 und 1820. Das wahrscheinlich in Königsberg getragene Damenkleid mit Schleppe ist aus einem feinen Baumwollbatist gearbeitet.

Festkleid (Unterkleid ergänzt)

Bis zur Französischen Revolution von 1789 trugen die Herren die Kniehose, die Culotte, in Kombination mit weißen Strümpfen. Als Erkennungszeichen ihrer freiheitlichen Gesinnung wählten die Revolutionäre - die Sans Culottes - stattdessen die langen weiten Hosen, die man bis dahin nur von den Arbeitern kannte. Allgemein akzeptiert wurde die uns heute so vertraute Hosenlänge erst in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.
Für den jugendlichen Träger des gelben Anzugs standen bei der Entscheidung für die lange Hose sicher modische Erwägungen im Vordergrund. Die enge Jacke, mit der für diese Zeit charakteristischen hohen Taillierung, der feine Seidenstoff und die auffällige Farbe lassen eher an einen Modegecken denken als an revolutionäre Ideale.
Der Knabenanzug ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
Erworben aus Lotto-Mitteln.

Knabenanzug

Die Betonung der Taille ist eine Konstante in der Damenkleidung der Biedermeierzeit. Das Gesellschaftskleid aus hellgelbem und elfenbeinfarbenem Seidenrips hat die für die Zeit um 1830 charakteristische, an ein Stundenglas erinnernde Silhouette. Die enge Schnürung der Taille wird durch die Weite des Rocks und die Betonung der Schulterpartie - mit breitem Dekolleté und gebauschten, von Bändern und gestreiftem Futter in Form gehaltenen Ärmeln - optisch unterstützt. Auch die Verzierungen verstärken diese Wirkung: Beim Oberteil ist es die Blende mit den von der Mittelnaht aufsteigenden Falten und beim Rock die Gestaltung der farblich abgesetzten Zweiteilung in Kombination mit der Seidenstickerei.
Das Damenkleid ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
Erworben aus Lotto-Mitteln.

Damenkleid

Wie der in das Taillenband eingewebte Schriftzug angibt, stammt das Damenkleid aus dem Modehaus "Worth". Der Engländer Charles Frederick Worth hatte 1858 in Paris einen Modesalon eröffnet, der in den folgenden Jahrzehnten international zum Inbegriff luxuriöser Damenmode werden sollte. Die aus Rock und Jacke bestehende Damenrobe ist in einem beigegrundigen, mit gold-irisierenden Punkten gemusterten Seidengewebe gefertigt. Mit Perlanhängern besetzte Schleifen am Rock sowie Besatz aus ungemusterter Seide bilden den Schmuck. Die Silhouette der Robe wird von der Turnüre bestimmt, der mit Hilfe von einem am Körper zu tragenden Gestell erreichten Polsterung des Gesäßes.
Das Damenkleid ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
Erworben aus Lotto-Mitteln.

Damenkleid

Der Fächer, der seinen Höhepunkt als modisches Accessoire im 18. Jahrhundert hatte, war auch Mitte des 19. Jahrhunderts wieder beliebter Gegenstand koketten Spiels. Ein im Vergleich zum Faltfächer seltener Typus ist der des Kaminfächers, eines Stilfächers mit feststehendem Blatt. Unser Exemplar ist auf der Vorderseite mit einer Szene aus Shakespeares "Romeo und Julia" bemalt: Auf dem Maskenball der Capulets nähert sich Romeo, als Pilger verkleidet, der ahnungslosen Julia. Der um 1867 zu datierende Fächer trägt vorn die Signatur von Karl Friedrich Johann von Müller, der einer traditionsreichen Stuttgarter Künstlerfamilie entstammte.
Der Kaminfächer ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.

Kaminfächer

Das dreiviertellange, vorne offene Abendcape mit Sealkragen ist aus einem schwarzen, mit Gold- und Silberdruck verzierten Seidensamt gearbeitet. Als Futter fand ein ebenfalls golden bedruckter, orangefarbener Seidensatin Verwendung.
Das Abendcape wird Maria Monaci Gallenga zugeschrieben, die in Rom und Paris gelebt hat. Für ihre Roben orientierte sie sich häufig an Gewandformen vergangener Jahrhunderte oder sie fand Anregungen in fremden Kulturen. Auch die verarbeiteten Stoffe, die historische Muster zum Vorbild haben, sind nach ihren Entwürfen entstanden. Ihre Kreationen waren 1915 auf der Weltausstellung in San Francisco zu sehen und 1925 auf der Ausstellung "Arts Décoratifs" in Paris, wo sie mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurden.
Das Abendcape wurde von einem Mitglied des Fürstenhauses Hohenlohe-Langenburg getragen.
Es ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.

Abendcape

Sowohl die raumgreifende Silhouette des Kleides als auch die repräsentativen Dekorationen in kostbarer Goldstickerei lassen keine Zweifel aufkommen: Hier handelt es sich um "grande parure", um höfische Galakleidung. Sie war im 18. Jahrhundert Ausdruck höchster Distinktion.
Die auffällige Form des einteiligen Kleides wurde durch einen darunter getragenen, seitlich extrem ausgestellten Reifrock erreicht. Im Französischen spricht man von einem "panier à coudes" - einem Reifrock für die Ellenbogen.
Ehemals in der Sammlung des Tänzers Rudolf Nurejew.
Die Damenrobe ist im Modemuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
Erworben aus Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg.

Damenrobe