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Museum Pankow Bekleidung

Bekleidung

Meist genähte Körperumhüllung aus den verschiedensten Materialien.
Kann funktionale und kulturelle Form- und Stilausprägung besitzen.

[ 5 Objects ]

Dieser Damenblazer gehörte zu einer Kollektion der Firma "Greiber Classicmode GmbH". Dieser 1990 gegründete Betrieb war ein Versuch, das traditionsreiche Unternehmen VEB Treffmodelle im Bezirk Berlin-Prenzlauer Berg über die Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs hinaus zu retten.

Der VEB Treffmodelle mit Sitz in der Greifswalder Straße 212/213 wurde 1953 gegründet und 1961 in das Kombinat Oberbekleidung Berlin eingegliedert. Bis 1984 waren im VEB Treffmodelle ca. 800 Personen, überwiegend Frauen beschäftigt, die jedes Jahr mehrere hunderttausend Kleidungsstücke produzierten. Trotz gelegentlicher Stockungen im Produktionsablauf aufgrund fehlender Materialen konnte am Jahresende immer die vollständige Planerfüllung vermeldet werden. Dass die Qualität der verarbeiteten Stoffe zum Teil zu wünschen übrig ließ und die Produkte nicht immer dem aktuellen Modetrend entsprachen, spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Von 1984 bis 1985 wurde der Betrieb modernisiert. Danach verfügte der VEB Treffmodelle über moderne, teilweise im westlichen Ausland erworbene Produktionsanlagen. Das war eine Besonderheit, die den VEB Treffmodelle zu einem Vorzeigebetrieb in der ansonsten von einem akuten Investitionsmangel geprägten DDR-Industrie machte.

Der "VEB Treffmodelle" war auf die Herstellung von Damenoberbekleidung, vor allem von Mänteln, spezialisiert. Produziert wurde sowohl für den Export in die Sowjetunion als auch in die Bundesrepublik Deutschland und in andere westeuropäische Länder sowie zu einem geringen Teil auch für den Verkauf in der DDR. Die Produktion von Damenoberbekleidung für den Verkauf in die BRD versprach einen raschen Rückfluss der Investitionen. Zwischen 1986 und 1990 wurden 36 Millionen DDR-Mark in den Erweiterungsbau an der Greifswalder Straße und in neue Maschinen investiert.

Der Wegfall staatlicher Subventionen und die Einführung der D-Mark zum 1. Juli 1990 brachten den Betrieb in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Nach und nach sank die Nachfrage. Von der neuen Betriebsleitung wurde der Versuch unternommen, unter dem Namen "Greiber Classicmode GmbH" ein höherwertiges Marktsegment zu bedienen. Doch das Projekt scheiterte 1994 endgültig und die Produktion musste eingestellt werden.

Nach Jahren des Leerstandes vermietete die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) ab 2002 zunächst die Räume zu günstigen Konditionen an Künstler, Freiberufler und Junge Unternehmen der Kreativwirtschaft. Der Musikklub Miles, später der Magnet-Club und das Theater Eigenreich zählten zu den Mietern. Durch den Verkauf an einen renditeorientierten Investor im Jahr 2007 scheiterte die auch von der Bezirksverordnetenversammlung Pankow und der Berliner Senatskanzlei unterstützte Entwicklung des Geländes zu einem Kulturstandort.

Im Jahr 2008 wurde ein Teil des Gebäudekomplexes saniert. Der Gewerbehof wird nun unter dem Label "Fabrik" bewirtschaftet.

Damenblazer der Firma "Greiber Classicmode GmbH"

Das Objekt, eine Mütze des Malermeisters Werner Erdmann (1910-1990), gelangte nach seinem Tode in die Sammlung der Chronik Pankow. Das Datum der Herstellung bzw. des Erwerbs der Mütze durch Werner Erdmann ist unbekannt.
Wegen seiner künstlerischen Fähigkeiten wurde der Malermeister Werner Erdmann von vielen seiner Bekannten und Freunde "Raphael" genannt. Er galt als Pankower Urgestein und Original.
Geboren wurde Werner Erdmann in der Beuthstraße 29. Er lebte bis zu seinem Tod in der Grabbeallee 84. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Lehre als Stuben- und Dekorationsmaler. Im Jahre 1929 machte er sich als Meister selbständig. Zwischen 1936 und 1940 arbeitete er als Hausmeister in der Militärärztlichen Akademie in Berlin-Mitte und wurde anschließend zum Militärdienst einberufen. Statt ihn mit seinem militärischen Rang als "Gefreiten" anzusprechen, nannten ihn die Kameraden "Pankow", weil er ständig von seinem Heimatort erzählte. Von Oktober 1943 bis August 1945 gelangte Werner Erdmann in Kriegsgefangenschaft. Unmittelbar nach seiner Rückkehr wurde er im Schloss Niederschönhausen, dem Amtssitz des Präsidenten Wilhelm Pieck, für dringende Renovierungsarbeiten verpflichtet. In den Jahren darauf renovierte er im Auftrag der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) Wohnungen, u. a. die von Änne Saefkow (Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus), Arnold Zweig (Schriftsteller) und Otto Grotewohl (Ministerpräsident der DDR).
Gut bekannt mit dem Leiter der Stadtbezirks-Chronik Pankow Rudolf Dörrier, unterstützte er dessen Arbeit, vermittelte Kontakte und übergab historisches Schriftgut und Fotografien.
1976 ging der Malermeister Werner Erdmann in Rente und arbeitete nur noch "nebenbei", so auch in der Heynstraße 8, dem Standort der Stadtbezirks-Chronik Pankow. Im Jahre 1973 renovierte er dort den Flur und restaurierte die Decke im Salon. Nach dem Bezug der Wohnung im Seitenflügel durch die Chronik im Jahre 1983 legte er im "Berliner Zimmer" den original erhaltenen Linoleum-Kork-Belag frei und restaurierte diesen.

Malermütze des Malermeisters Werner Erdmann

Diese Damenschuhe wurden von der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) "Hans Sachs" in Handarbeit hergestellt.
Im April 1958 schlossen sich 17 Schuhmacher zu einer Produktionsgenossenschaft zusammen. Ihr Hauptsitz befand sich in der Parkstraße 7-9 in Berlin-Pankow, wo auch die zentrale Werkstatt untergebracht war. Maß genommen wurde in der Schönholzer Straße 12.
In der DDR wurde bis 1989 der überwiegende Teil der Handwerker in Produktionsgenossenschaften des Handwerks zusammengeschlossen. Ziel war es, die Entwicklung eines freien und selbständigen Handwerks zu begrenzen. Durch den Zusammenschluss sollte eine plangemäße, bedarfsgerechte und kontinuierliche Versorgung der Bevölkerung erreicht werden. Die Handwerker mussten hierzu ihre Betriebsmittel in die PGH einbringen und gaben ihre Selbständigkeit auf. Sie waren zugleich Mitglieder und Beschäftigte der PGH.
Anfangs wurde in der PGH "Hans Sachs" hauptsächlich orthopädisches Schuhwerk maßgefertigt, auch wurden Reparaturen ausgeführt. Mit dem Mauerbau änderte sich die Kundschaft. Nun ließen hier auch Militärs, Diplomaten, Künstler und Prominente, z. B. Lotte Ulbricht, die Ehefrau des Vorsitzenden des Staatsrats der DDR, Walter Ulbricht, der Fernsehkommentator Karl-Eduard von Schnitzler sowie die Ensemblemitglieder des DDR-Fernsehballetts ihre Schuhe anfertigen.
1969 verlegte die PGH "Hans Sachs" den Sitz ihrer Verwaltung und die Reparaturwerkstatt nach Wilhelmsruh in die Hauptstraße 1. Anschließend produzierte die Genossenschaft auch für den Export und belieferte u. a. den Otto-Versand in Westdeutschland.
1990 bestand die PGH "Hans Sachs" aus 217 Mitgliedern. 1992 wurde die PGH aufgelöst und die Filialen den jeweiligen Meistern zum Kauf angeboten.

Damenschuhe aus der PGH "Hans Sachs"

Dieser Pumps aus Schweinsveloursleder stammt aus der Produktion des VEB Goldpunkt.
In das vom Pianofabrikanten Oskar Köhler 1899 errichtete Fabrikgebäude in der Carmen-Silva-Straße (heute Erich-Weinert-Straße) zog im Januar 1946 das Unternehmen Koppermann & Co. KG - Goldpunkt Schuhfabrik ein. Das Unternehmen wurde 1948 zunächst unter Treuhandverwaltung gestellt, 1949 verstaatlicht und als Volkseigener Betrieb (VEB) Schuhfabrik Goldpunkt weitergeführt.

Anfangs fertigte der VEB Schuhfabrik Goldpunkt noch Militärschuhe. Ab ca. 1958 stellte der Betrieb die Produktion auf Herren- und Damenschuhe um, ehe er sich ab ca. 1960 auf die Herstellung hochwertiger Damenschuhe spezialisierte.
Im Jahre 1984 hatte das Unternehmen 1.300 Werktätige und erzielte eine Jahresproduktion von 1,1 Millionen Paar Schuhe. 1986 übernahm der VEB Schuhfabrik Goldpunkt das Werk "Pantolette" in der Gounodstraße 49/57 in Berlin-Weißensee.
Seit 1990 wurde der Betrieb wieder von einer Treuhandgesellschaft verwaltet und musste im Dezember 1991 geschlossen werden.
Im Jahre 1994 erwarb die Kölner Immobiliengesellschaft "Concordia Bau und Boden AG" (CBB) das ehemalige Betriebsgelände. Nachdem das Unternehmen den früheren Fabrikstandort entwickeln und vermarkten konnte - 2002 wurde ein Neubau entlang der Greifswalder Straße fertig gestellt - musste die CBB 2006 Insolvenz anmelden.
Der historische Teil des jetzigen Büro- und Geschäftsgebäudes, das "Goldpunkt Haus", befindet sich heute im Besitz der niederländischen Firma ASG AcquiCo I B.V. und steht unter Denkmalschutz.

Damenschuh des VEB Goldpunkt

Diese Jacke wurde zwischen 1985 und 1987 in der Nähe des Helmholtzplatzes in Prenzlauer Berg hergestellt. In ihrer Wohnung im Quergebäude der Schliemannstraße 39 produzierte Anne D. in Heimarbeit Kleidungsstücke, darunter Kleider und Jacken.
Infolge des geringen Warenangebotes in der DDR, insbesondere an individuell gestalteter Kleidung, entwickelte sich bis 1989, wie für andere Konsumgüter auch, ein grauer Markt für den Bezug von Kleidungsstücken.
Nach einer kurzen Einweisung bei einer Schneiderin begann Anne D. mit der Herstellung von Kleidungsstücken und verkaufte diese in Ostberlin und dem Umland, beispielsweise am Rande von Stadtfesten oder Musikveranstaltungen, u. a. auf der Radrennbahn in Berlin-Weißensee. Insbesondere in den Sommermonaten konnte sie von dieser Arbeit gut leben und erzielte an Wochenenden bis zu 1.500 Mark Umsatz.
Die Suche nach geeigneten Stoffen und Accessoires, darunter Knöpfen und Klettverschlüssen war sehr zeitaufwendig. Vieles davon beschafften Freunde aus Westdeutschland. Oftmals gelang es, über persönliche Beziehungen zu Künstlern und Theaterschaffenden, Materialen aus dem Großhandel zu erhalten.
Die Händler bildeten eine eigene Szene. Man kannte sich, wenn auch die Bezugsquellen zumeist verschwiegen wurden.

Aufgrund ihrer Herkunft als Tochter eines selbständigen Handwerkers blieb Anne D. zunächst die Zulassung zum Abitur verwehrt. Seit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR im Jahre 1976 engagierte sie sich in oppositionellen, insbesondere kirchlichen Friedensgruppen, darunter der Initiativgruppe Frauen für den Frieden. Der Besuch einer staatlichen Hochschule war Anne D. nicht möglich und sie begann zunächst am Theologischen Seminar in Leipzig, später am Evangelischen Sprachenkonvikt in Berlin Theologie zu studieren. Nach dem Studienabbruch arbeitete die gelernte Medizinisch Technische Assistentin unter anderem als Putzfrau in Privathaushalten. Bewerbungen in Kliniken oder auch bei der Volkssolidarität wurden aufgrund ihres Lebenslaufes zurückgewiesen, eine Anstellung bei einem Kinderbuchverlag war nur von kurzer Dauer. Schließlich fand sie als Hilfskraft eine Anstellung in einem evangelischen Kindergarten in der Winsstraße in Prenzlauer Berg.
Von 1987 bis zur friedlichen Revolution in der DDR gelang es Anne D. auf Honorarbasis u. a. für die Theater in Halle und Cottbus als Kostümassistentin/-bildnerin zu arbeiten. Nach der friedlichen Revolution von 1989/90 begann Anne D. eine Tätigkeit in der politischen und gewerkschaftlichen Bildungsarbeit.

Herrenjacke, in Heimarbeit genäht, 1980er Jahre