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Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel Sakrale Plastiken aus der Dorfkirche Stöckheim

Sakrale Plastiken aus der Dorfkirche Stöckheim

Neben der hochgotischen Thronmadonna (VI/26/57) befinden sich in der Sammlung des Danneil-Museums noch drei in der künstlerischen Ausarbeitung einander ähnliche Skulpturen, die ebenfalls aus der Stöckheimer Kirche stammen und um 1370 entstanden sind.
Es handelt sich um eine weitere Thronmadonna (VI/27/57), eine stehende Madonna (VI/24/57) und eine stehende jugendliche Heiligenfigur mit Buch (VI/25/57) – vielleicht Johannis Evangelista.

Besonders ähnlich sind die Gesichter, die eine gut erkennbare und ausgeprägte künstlerische Handschrift zeigen: Sie sind rundlich-oval und ein wenig gedrungen. Die Augen liegen recht nah zusammen, der Mund ist klein und die Jochbeine sind betont. Insgesamt machen die Physiognomien einen weichen, wohlgeformten Eindruck.
Die Figuren sind allerdings unterschiedlich ausgearbeitet: Die stehende Heiligenfigur ist sorgfältig ausgehöhlt, während die beiden Marienfiguren massiv sind. Die Thronmadonna ist rückseitig unbearbeitet und flach belassen, die stehende Marienfigur ist jedoch vollplastisch gestaltet und dürfte für eine freie Aufstellung gedacht gewesen sein.
Es gibt auch in der schnitzerischen Bearbeitung graduelle Unterschiede. So sind die Augen der Thronmadonna sorgfältig ausgearbeitet, während sie bei den beiden anderen Figuren nur grob angelegt sind und durch die Fassung vervollständigt wurden. Bemerkenswert sind das kurze Haar der stehenden Madonna sowie ihr hoher Kragen. Der stehende Heilige hat eine sehr prägnante Frisur aus kurzen Buckellocken. Während die beiden stehenden Figuren praktisch unbewegt sind, wird die thronende Madonna durch den agilen Stand des drallen Kindes und durch den plastischen Faltenwurf des Kleides im Kniebereich geprägt.
Nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Ausarbeitung der Skulpturen ist es unwahrscheinlich, dass die Skulpturen zu ein und demselben Retabel gehört haben, zudem wäre kaum ein sinnvoller Zusammenhang für beide Marienfiguren herzustellen. Vielmehr wird man vom Schmuck mehrerer Altäre auszugehen haben.
Zusammen mit der hochgotischen Madonna (Inv. Nr.: VI/26/57) ergibt sich damit eine bemerkenswert umfangreiche sehr frühe dörfliche Kirchenausstattung – wenn die Skulpturen nicht in späterer Zeit hierher gekommen sind.

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Thronende Madonna aus Stöckheim

Die thronende Madonna wird vor allem durch den agilen Stand des drallen Kindes und durch den plastischen Faltenwurf des Kleides im Kniebereich geprägt. Ihre Augen sind sorgfältig ausgearbeitet. Die Figur ist rückseitig unbearbeitet und flach belassen. Ihre Fassung ist teilweise rekonstruierbar: Der Mantel war rot, das Futter azuritfarbig, das Kleid hatte eine Metallauflage.

Die sehr qualitätsvolle thronende Madonna zeigt in der Komposition auffällige Gemeinsamkeiten mit der Maria in der Epiphanie des Hamburger Petrikirchaltars des Meisters Bertram von Minden (1383 vollendet, jetzt Hamburger Kunsthalle). Ein Zusammenhang zur Skulptur des mit diesem in Verbindung stehen Werkkreises besteht aber nicht. Die Verwandtschaft ist wohl über die gemeinsamen künstlerischen – böhmischen – Vorbilder zu erklären. Nicht auszuschließen sind konkrete böhmische Bezüge.
Besonders das lebensvolle, agile Kind, das von der freundlich lächelnden Mutter kaum zu bändigen ist, erinnert in der Auffassung sehr konkret an böhmische Kunstwerke um 1360 wie die Madonna aus Saras (Prag, Nationalgalerie) – auch wenn bezüglich der Handschrift keine engeren Bezüge bestehen.
Angesichts der böhmischen Herrschaft in der Mark Brandenburg seit 1373 und dem Ausbau der Tangermünder Burg zur kaiserlichen Residenz durch Karl IV. ist mit der Anwesenheit böhmischer Künstler in der Altmark zu rechnen. Vielleicht schuf ein solcher die Stöckheimer Madonna.

Stehende Madonna aus Stöckheim

Die in einer nicht bekannten Werkstatt um 1370 geschaffene stehende Marienfigur ist vollplastisch gestaltet und dürfte für eine freie Aufstellung gedacht gewesen sein.
Die Augen sind nur grob angelegt sind und durch die Fassung vervollständigt. Bemerkenswert sind das kurze Haar sowie ihr hoher Kragen.
Die Fassung ist teilweise rekonstruierbar: der Mantel war zinnoberrot mit schwarzen Ornamenten (?) und goldenem Saum, das Futter azuritfarbig, das Kleid grün. Das Gewand des Christuskindes war krapprot mit dunklen Ornamenten (?), die Ärmel grün.

Stehender Heiliger aus Stöckheim

Die in einer nicht bekannten Werkstatt um 1370 geschaffene Figur eines stehenden Heiligen ist sorgfältig ausgehöhlt. Der Heilige trägt eine sehr prägnante Frisur aus kurzen Buckellocken. Die Augen sind nur grob angelegt sind und durch die Fassung vervollständigt.
Die Fassung ist teilweise rekonstruierbar: Der Mantel war zinnoberrot mit schwarzen Punkten, das Futter grün und das Untergewand weiß.