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GLEIMHAUS Museum der deutschen Aufklärung Handschriftensammlung [Hs. A 2614 (Lessing 1)]

Brief von Gotthold Ephraim Lessing an Gleim, 12.5.1757

Brief von Gotthold Ephraim Lessing an Johann Wilhelm Ludwig Gleim, 12.5.1757 (Gleimhaus Halberstadt CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Gleimhaus Halberstadt (CC BY-NC-SA)

Description

Lessing spricht Gleim gegenüber die kategorische Aufforderung aus, die Literarisierung Friedrichs II. zu übernehmen. Gleim hatte zuvor seinerseits Lessing aufgefordert: "[…] wenn sie den preuß. Friedrich so lieb haben wollten, als den sächsischen. Denn so dann würden sie in einer kleinen unvergl. Ode unsern Friedrich besingen […]" (27.4.57, S. 184).
Dichtung im hohen Stil, Odendichtung, erfordere einen Helden, und eben dieser sei mit Friedrich II. in Erscheinung getreten. Gleim habe, so Lessing, Kriegserfahrung, er habe das dichterische Talent und er habe den Held. Im Weiteren schlägt Lessing einzelne Motive vor, die sich für den heroischen Stil eignen. Am Ende des Briefs bekennt der geborene Sachse seinen preußischen Patriotismus. Tatsächlich scheinen die ersten Grenadierslieder Gleims bald nach der hier ausgesprochenen Aufforderung Lessings entstanden zu sein.

Mein lieber Herr Gleim,
Sie verlangen von mir eine Ode auf ihren König? - Ich bin, auf ihr Anraten, bei Halberstadt, den alten Juden hinangeklettert, und habe ihm den steinern Bart gestreichelt, ob ich mir meines Schwindels gleich nur allzuwohl bewußt war.
Warum sollte ich mich, auf ihr Wort, nicht noch höher versteigen? Gut! Es hat mit der Ode seine Richtigkeit. - Weil ich aber gern etwas machen möchte, das ihres völligen Beifalls wert wäre, so will ich so behutsam gehn, als möglich, und Ihnen vorher den Plan mitteilen, nach welchem ich zu arbeiten Willens bin. Hier ist er!
Umsonst rüstet Kalliope den Geist ihres Lieblings zu hohen Liedern; zu Liedern von Gefahren und Tod und heldenmütigem Schweiße.
Umsonst; wenn das Geschick dem Lieblinge den Held versagt, und beide in verschiednen Jahrhunderten, oder verunreinigten Ländern geboren werden.
Mit Dir, Gleim, ward es so nicht! Die fehlt weder die Gabe den Helden zu singen, noch der Held. Der Held ist Dein König!
Zwar sang deine frohe Jugend, bekränzt vom rosenwangigten Bacchus, nur von feindlichen Mädchen, nur vom streitbaren Kelchglas.
Doch bist Du auch nicht fremd im Lager, nicht fremd vor den feindlichen Wällen und unter brausenden Rossen.
Was hält Dich noch? Singe ihn, Deinen König! Deinen tapfern, doch menschlichen; Deinen schlauen, doch edeldenkenden Friedrich!
Singe ihn, an der Spitze seines Heeres; an der Spitze ihm ähnlicher Helden; so weit Helden den Göttern ähnlich sein können.
Singe ihn, im Dampfe der Schlacht; wo er, gleich der Sonne unter den Wolken, seinen Glanz, aber nicht seinen Einfluß verlieret.
Singe ihn, im Kranze des Siegs; tiefsinnig auf dem Schlachtfelde, mit tränendem Auge unter den Leichnamen seiner verewigten Gefährten.
Du weißt, wie Du ihn am besten singen sollst. Ich will unterdes mit Aesopischer Schüchternheit, ein Freund der Tiere, stillere Weisheit lehren.
Ein Märchen vom blutigen Tyger, der, als der sorglose Hirt mit Chloris und dem Echo scherzte, die arme Herde würgte und zerstreute.
Unglücklicher Hirte! Wenn wirst du die zerstreuten Lämmer wieder um Dich versammeln? Wie rufen sie so ängstlich im Dornengehecke nach Dir!
Nun, mein lieber Gleim, was sagen Sie zu diesem Gerippe? Verlohnt es sich der Mühe, daß ich es mit Fleisch und Haut umgebe? Antworten Sie mir hierauf, so bald wie möglich; denn sonst könnte mich leicht ihr Brief in Leipzig nicht mehr treffen. Künftige Woche, gehe ich wieder nach Berlin. Schade, daß der Weg nach Berlin, nicht über Halberstadt geht! Wie froh werde ich sein, wenn ich wieder in Berlin bin, wo ich es nicht länger nötig haben werden, es meinen Bekannten nur ins Ohr zu sagen, daß der König von Preussen dennoch ein großer König ist. Leben Sie wohl, mein lieber Gleim, und lieben Sie mich ein wenig. Ich bin
ganz der ihrige Leßing.
Leipzig, den Mai. 1757

Textgestalt nach: Gotthold Ephraim Lessing: Werke und Briefe in zwölf Bänden. Hg. v. Wilfried Barner u. a. Bd. II/1: Briefe von und an Lessing 1743-1770. Hg. v. Helmuth Kiesel u. a. Frankfurt/M. 1987 /Bibliothek deutscher Klassiker 17), S. 187 ff.

Material / Technique

Handschrift, Papier

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Leipzig
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[Last update: 2018/02/08]

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