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Historisches Museum der Pfalz - Speyer 1914-1918. Die Pfalz im Ersten Weltkrieg [HM_0_10020]

Konvolut von Schriften des Infantristen Richard Pflüger

Konvolut von Schriften des Infantristen Richard Pflüger (Historisches Museum der Pfalz, Speyer CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Historisches Museum der Pfalz, Speyer / HMP Speyer (CC BY-NC-SA)

Description

1) Zeitungsausschnitt aus der Unterhaltungsbeilage der Täglichen Rundschau Nummer 107 vom 8. Mai 1917; Artikel "Traum vom Frieden" /
2) Abschrift eines Briefes von Hindenburgs an den Chef des Generalstabes des Feldheeres vom 25. April 1917: "Nicht in den Schützengraben zu nehmen. / In der Heimat ist es in letzter Zeit an mehreren Stellen zu Arbeitsniederlegungen in der Rüstungsindustrie gekommen. Als Gründe werden von den Streikenden vor allem die Herabsetzung der Brotration und zum Teil zu geringe Löhne angegeben. / In einem Briefe an den Chef des Kriegsamtes, Generalleutnant Groener, habe ich meinem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben, dass Arbeitseinstellungen in der Rüstungsindustrie im Kriege überhaupt möglich sind und betont, dass solche Arbeitseinstellungen sich mir als eine unsühnbare Schuld gegen das Heer und besonders gegen den Mann im Schützengraben darstellten. Ich habe angeregt, dass die Arbeiter über ihre Pflichten gegen das Heer aufgeklärt werden. / Ich halte es aber auch für notwendig, dass die Heeresangehörigen über diese Fragen in geeigneter Form unterrichtet werden, damit sie die Lage in der Heimat richtig bewerten, übertriebenen Darstellungen und unberechtigten Forderungen, die ihnen in Briefen oder mündlich in der Heimat zu Ohren kommen, entgegentreten können und in ihren heimatlichen Kreisen das Gefühl dafür schärfen, was die Daheimgebliebenen den am Feinde stehenden schuldig sind. / Unsere Feinde verfügen über die reicheren Quellen für die Erzeugung von Kriegsgerät aller Art. Wir können ihnen nur dann auf unseren ausgedehnten Fronten die Wage halten, wenn die Heimat das Menschenmöglichste an kriegerischen Hilfsmitteln schafft. Menschenkraft, Wissenschaft und Technik haben sich vor kurzem restlos in den Dienst derjenigen gestellt, die bestimmt sind, ihr Leben vor dem Feinde auf’s Spiel zu setzen. Auf diese Weise und durch den hohen inneren Wert des deutschen Heeres ist es gelungen, den Krieg in Feindesland zu tragen und uns dort zu behaupten. Beginnen aber die heimischen Hilfskräfte, ihre Hilfe zu versagen, so müssen unsere Soldaten mit ihren Leibern die Lücken schliessen, die in unsere Rüstung gerissen sind. Jede noch so geringfähig erscheinende Arbeitsniederlegung in der Heimat kostet dem Heer unfehlbar blutige Verluste. Die Heimat darf in dieser Zeit nur die eine Pflicht kennen, dem Heere zu helfen; jeder andere Gesichtspunkt, der dem entgegensteht, muss bedingungslos weichen. Arbeitsniederlegungen wären nur dann verständlich, wenn die heimische Bevölkerung, soweit sie in der Kriegswirtschaft tätig ist, unter Bedingungen lebte, die ihr Leben in Frage stellten. Das ist aber keineswegs der Fall. Die Entbehrungen und Anstrengungen, die sie zu erdulden hat, sind im Vergleich zu den Gefahren und Verhältnissen unter denen unsere Truppen vor dem Feind stehen, verschwindend gering. / Die _Verpflegungslage_ [unterstrichen] in der Heimat ist derart, dass wir _unter Verzicht auf alles nicht unbedingt Notwendige_ bis zur neuen Ernte durchhalten können. Wenn aber ein Teil der Bevölkerung mehr fordert, als ihm zugewiesen ist, so muss er sich bewusst sein, dass seine Forderungen nur erfüllt werden können, wenn man andere, und zwar in erster Linie Frauen und Kinder, verhungern liesse. Das würden die mit der Regelung der Verpflegung beauftragten Stellen niemals verantworten können. Eine Arbeitsniederlegung, um einen höheren Verpflegungssatz zu erzwingen, ist also nicht nur ein Verbrechen am Heer, sondern auch an der Heimat und völlig zwecklos für die Streikenden. Die Löhne in der Rüstungsindustrie sind so hoch, dass fast dass fast alle in ihr Beschäftigten sich _in wesentlich besserer_ Lage als vor dem Kriege befinden. Dass sie selbst bei diesen hohen Löhnen nur geringe Zuschüsse an Lebensmitteln erstehen können, liegt an der allgemeinen Verpflegungslage und kann kein Grund zur Unzufriedenheit sein. Jeder, der aus Lohngründen die Arbeit niederlegt, opfert daher das Leben anderer, um für sich selbst ein nicht notwendiges Mehr zu erreichen. / Wenn aber _politische_ Ziele eine Rolle in der Streikbewegung spielen, so ist es ein völliger Irrtum, zu glauben, dass Streiks uns dem Frieden auch nur um einen Schritt näher bringen; im Gegenteil, sie werden ihn hinausziehen. Unsere Gegner wollen die Wirtschaftskraft Deutschlands, die ihr Kriegsgrund ist, beseitigen. Sie hoffen auf einen Zusammenbruch; wer streikt, unterstützt den Feind, indem er seine Hoffnung stärkt. Der Friede wird um so eher kommen, je einiger und gewappneter wir dastehen, und je eher der Feind einsieht, dass Deutschland nicht niederzuringen ist. / Ich bitte in diesem Sinne auf die Truppe durch Belehrung einzuwirken und ihr klarzumachen, dass das Heer als Entgelt für seine Leistungen am Feinde das Recht hat, von der Heimat das Höchste zu fordern. Insbesondere schlage ich vor, in den Armeezeitungen durch Abdruck geeigneter Artikel aus der heimischen Presse und durch eigene Aufsätze in diesem Sinne zu wirken. Jede Erörterung _politischer_ Fragen hat dabei naturgemäss zu unterbleiben. / gez. von Hindenburg. / Der 201. Infanterie-Division. / Korps, Divisionen und Etappen-Inspektionen haben mündliche Unterweisung derart anzuordnen, dass alle Leute in geeigneter Weise unterrichtet werden. / Von Seiten der Armee-Abteilung / Der Chef des Generalstabs / gez. Heye, Oberst (2. Mai 1917) / 402. Infanterie-Brigade. / Die unterstellten Formationen haben ihre sämtlichen Leute in geeigneter Weise mündlich zu unterrichten. / gez. Maschke / den 5. 5. 1917" /
3) Abschrift eines Briefes Ludendorffs an den Chef des Generalstabes des Feldheeres vom 29. April 1917: / "Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht teilt folgende erste Erfahrungen aus den neueren Kämpfen mit: / Auf Grund von Entsendungen der Generalstabsoffiziere zu den Divisionen und Truppenführern wurden über die Kämpfe am 23. 4. nachstehende _vorläufige Eindrücke_ gewonnen: / Im Vordergrund steht, dass wir uns trotz des naturgemäss sehr unzulänglichen Ausbaues unserer seit dem 9. 4. neu eingenommenen Stellungen gut behauptet haben. / Vor dem grossen englischen Angriff am 23. 4. boten unsere Linien folgendes Bild: / Vorn keine zusammenhängende Linie, nur einzeln besetzte Granattrichter und Postenlöcher. Dahinter ein zusammenhängender Graben, aber ohne Unterstände. Bezeichnend ist, dass bei einer der am schwersten angegriffenen Divisionen die Infanterie in der Zeit vor den Angriffen diesen ziemlich stark beschossenen Graben nicht besetzt hielt, sondern sondern dahinter unbeschossen im freien Gelände lag. Der Graben war also gewissermassen nur Scheinstellung. Nur nachts, bei nachlassendem Feuer suchte die Infanterie im Graben besseren Schutz gegen die Witterung. Auch als Kampflinie hat dieser Graben keine Rolle gespielt. Zwischen ihm und den vordersten Posten waren schachbrettförmig Maschinengewehre verteilt. Auch sie und ihre Bedienungen waren nicht eingegraben, sondern nur im Gelände der Sicht entzogen. Ebenso waren die Bereitschaften und Reserven vielfach im freien Gelände nur gegen Sicht gedeckt oder nur notdürftig eingegraben, verteilt. / In unsere so zur offensiven Verteidigung bereitgestellte, tiefgestaffelte Infanterie sind die in mehreren Stellen dichter Schützenlinien, gefolgt von Kolonnen und vielfach mit Tanks angreifenden Engländer stellenweise in breiter Front eingedrungen. Es kam zu hartnäckigen hin und herwogenden Nahkämpfen, in denen die bis zuletzt unentdeckt und daher unbeschossen gebliebenen Maschinengewehre, und das sofortige selbsttätige Einsetzen von Gegenstössen aller Bereitschaften und Reserven entscheidend wirkten. Es wurde nicht um den Besitz einer bestimmten Linie gekämpft, sondern um das Zurückwerfen, womöglich Vernichten des eingedrungenen Feindes. Dieses Kampfziel wurde in den schweren Vormittagskämpfen auch voll erreicht. Erst gegen Abend südlich der Scarpe eingreifende starke frische feindliche Reserven drängten uns dort etwas zurück. Unsere Infanterie hat sich in dieser beweglichen Kampfweise se(hr) bewährt und ihre Ueberlegenheit über den Engländer erneut bewiesen; dementsprechend war ihre Stimmung zuversichtlich und gehoben. / Wesentlichen Anteil am Erfolg hatte die gute Wirkung unserer Artillerie, die bis zuletzt kampfkräftig geblieben war. Sie war nach dem 9. 4. fast durchweg im Gelände in nicht vorbereiteten Stellungen aufgefahren und hatte in der Zwischenzeit ihre Stellungen durch Schaffung von Fliegerdeckungen und Gräben für Mannschaften und Munition allmählich verbessert. Die englische Artillerie hatt in der Zwischenzeit selbst umgruppiert, zu völligem Fliegereinschiessen fehlte ihr teils die Zeit, teils günstige Witterung. So erreichte sie nicht die Wirkung, die sie am 9. 4. nach langer und sorgfältiger Vorbereitung hatte entfalten können. Auch die in der Nacht 22/23. 4. erfolgte Vergasung englischer Batteriennester hat offenbar deren Wirkung herabgesetzt. / Ein allgemeiner Stellungswechsel ganzer Artilleriegruppen - wie vo(n der) Heeresgruppe Deutscher Kronprinz angeregt - erübrigte sich hier demnach. Ein solches Verfahren wird auch nur nach umfangreichen Vorbereitungen und bei einem Zusammentreffen bestimmter Umstände durchführbar sein. / Aus dem Schlachtverlauf geht somit hervor, dass die Mängel im Stellungsausbau nicht die nachteiligen Folgen gehabt haben, die man hätte erwarten können. Es fragt sich, welche Schlüsse sich hieraus ergeben. Zweifellos nicht die, dass fest ausgebaute Stellungen an sich wertlos geworden sind. Wir werden vielmehr nach wie vor an allen Fronten am Stellungsbau nach den heutigen, bewährten Grundsätzen festhalten müssen. Der Verlauf des 23. 4. zeigte nur einen Notbehelf für den Fall, dass man aus seinem Verteidigungssystem zurückgeworfen oder zurückgegangen ist und sich unter starker feindlicher Einwirkung schnell zur Verteidigung einrichten muss. / Aehnliche Verhältnisse entstehen, wenn der Feind als Vorbereitung zu einem grossen Angriff unsere Stellungen durch tagelanges planmässiges (Feuer) zerstört. Die dauernden Anstrengungen zur Wiederherstellung der angerichteten Schäden verzehren die Kräfte der Truppe, ohne dass die Instandsetzungsarbeiten mitschreitenden Zerstörungen Schritt halten können. Es kommt ein Augenblick, in dem man besser tut, die vordersten Linien _dort_, wo sie derartig zerstört sind, ihrem Schicksal zu überlassen und dafür alle verfügbaren Arbeitskräfte rückwärts einzusetzen. Es entsteht dann allmählich vorn ein Trichterfeld, in dem sich die Posten und abgespalteten Maschinengewehre einnisten, dahinter an erhaltenen Unterständen und weniger stark beschossenen Grabenteilen Anklammerungspunkte für Bereitschaften. / (...) zurück bilden stark ausgebaute Stellungen mit Hindernissen und Unterständen für Reserven und dauernder Sicherheitsbesatzung den nötigen Rückhalt. Es ergibt sich so eine befestigte Tiefenzone, in der vorn zum Teil auf durchlaufende Linien verzichtet wird und von vorn nach hinten an Stärke zunimmt. / In solcher Lage wird eine beweglich und offensiv geführte Verteidigung immer Aussicht auf Erfolg haben. Voraussetzung ist, dass sowie Anzeichen für bevorstehenden Angriff vorliegen - alle Reserven nahe genug herangehalten werden, um sofort eingreifen zu können. / Von weiteren beachtenswerten Erfahrungen wird erwähnt, dass bei einer Division auf Grund der Beobachtungen über das planmässige feindliche Zerstörungsfeuer Karten angelegt wurden, aus denen die wenig oder garnicht beschossenen Geländeteile hervorgingen. Die demnach gewählten Vormarschwege und Bereitstellungsplätze konnten während des ganzen Einsatzes der Division beibehalten werden, ohne dass grössere Verluste eintraten. / Aehnliche Erfahrungen wurden auch schon in der Sommeschlacht gemacht. / J.A. / gez. Ludendorff / den 4. Bataillonen. / Ich weise auf die zuverlässige Ausbildung möglichst vieler Stosstrupps und selbstständiges, sofortiges _Handeln_ ihrer Führer hin. Letztere müssen als _umsichtig_ und _entschlossen_ dem Bataillonskommandeur und dem Kompagnieführer bekannt sein. / gez. Schmidt / den 18. Mai 1917 / zur Kenntnis. / Major und Bataillonskommandeur" /
4) Handschrift von Richard Pflüger

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Papier / Handschrift

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1914 - 1918
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Historisches Museum der Pfalz - Speyer

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Das Historische Museum der Pfalz in Speyer zählt mit seinen Sammlungen und seinen Dauer- und Sonderausstellungen seit vielen Jahren zu den ...

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