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Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel Fünf Knaggenfiguren eines Salzwedeler Fachwerkhauses

Fünf Knaggenfiguren eines Salzwedeler Fachwerkhauses

Im Bestand des Museums befinden sich fünf figürliche Knaggen mit den Darstellungen eines Papstes, eines Bischofs, der Emerentia Selbviert, eines bärtigen Apostels und – auf einer Knagge – zwei weiteren Aposteln (Petrus und Paulus?).
Gemeinsam mit den Figuren einer Heiligen Barbara und einer weiteren weiblichen Heiligen – sekundär verbaut im Gebäude An der Marienkirche 3 a - gehörten sie ursprünglich den Gestaltungselementen nach zu einem einzigen Ensemble.

Die Stücke sind in sehr unterschiedlichem Zustand erhalten. Während die Emerentia und der Papst eine intakte, intensiv gereinigte und möglicherweise überarbeitete Oberfläche aufweisen, ist die Knagge mit dem Bischof stark bewittert. Sie zeigt noch Spuren einer Polychromie. Die Knaggen mit den weiblichen Heiligen wirken im Bestand gut erhalten und weisen ebenfalls eine polychrome Fassung unbekannter Datierung auf.

Alle Stücke bis auf dasjenige mit dem Bischofsrelief zeigen im unteren Bereich drei Herzen (zwei kleine vor einem großen) über einem Stamm (?) – vielleicht eine Hausmarke oder ein Wappen.
Die Salzwedeler Knaggen werden von Arkaturen überspannt, darüber befindet sich ein Taustab (bei der Emerentia-Knagge nicht erhalten).
Eine ähnliche Gestaltung findet sich in der Altmark auch anderswo, so bei den besagten zwei etwas älteren Knaggen im Altmärkischen Museum Stendal (dort statt des Taustabs eine Stabranke).
Die Schnitzereien sind relativ grob ausgeführt, was angesichts der Anbringung in größerer Höhe nicht ungewöhnlich ist. So sind Details wie die Augen schnitzerisch nur rudimentär angelegt. Ihre Vollendung erfuhren die Figuren durch eine Fassung.

Stilistisch lassen sich die Figuren mit ihren großförmig und teilweise knittrig gebrochenen Gewandfaltenwürfen in das frühe 16. Jh. datieren. Auch die Bestrebung des Schnitzers, Typen durch Haltung oder bestimmte Physiognomien zu charakterisieren (z.B. das leicht feiste Gesicht des Papstes oder die asketischen Apostel) sind typisch für die Zeit.
Die Skulpturen lassen sich gut mit der regionalen Schnitzkunst in Einklang bringen, so dass nichts gegen eine Entstehung vor Ort oder in einem benachbarten Zentrum (auch im östlichen Niedersachsen) spricht.

Knaggenfiguren sind im Gebiet der ehemaligen Mark Brandenburg verhältnismäßig selten erhalten, doch muss es in den durch den Fachwerkbau geprägten Städten viele weitere Beispiele gegeben haben. Sie wurden zweifellos von denselben Werkstätten hergestellt, die auch Schnitzaltäre fertigten und boten ein weites Arbeitsfeld. Davon, wie diese Kunstwerke einst die märkischen Städte geprägt haben, kann man sich nur noch schwer eine Vorstellung machen. Daher sind die Salzwedeler Stücke für die märkische Kulturgeschichte von großer Bedeutung.

[ 5 Objects ]

Diese stark verwitterte Figurenknagge zeigt einen stehenden Bischof mit langem Gewand und Bischofshut. Der Kopf ist nach rechts geneigt.
Den oberen Abschluss bildet eine Arkatur, darüber befindet sich ein Taustab.
Es handelt sich um eine wenig differenzierte, ehemals farbig gefasste Schnitzarbeit.

Die Knagge befand sich vor ihrer Übergabe an das Museum im Jahre 1999 als Zierelement an der Giebelfassade des ehemaligen Marstalls der Propstei in Salzwedel (später Kindergarten, An der Marienkirche 3 a). Bei der Fassadensanierung wurde die stark verwitterte Figur geborgen und durch eine Replik ersetzt.
Die Knagge war aber sehr wahrscheinlich ursprünglich an einem anderen Ort eingebaut, vermutlich gemeinsam mit vier weiteren Stücken ähnlicher Art.

Diese Figurenknagge zeigt die stehende Gestalt eines Papstes mit langem Gewand und Tiara. Mit der rechten Hand hält er ein Buch, und gleichzeitig die Kleidung gerafft. Den oberen Abschluss bilden eine Arkatur und ein darüber befindlicher Taustab. Der untere Abschluss besteht aus einem Ornament aus drei übereinander angeordneten Herzen (über Baumstumpf?).
Die Schnitzarbeit ist wenig differenziert und war ehemals farbig gefasst.

Diese Figurenknagge trägt die Darstellung zweier Apostel (Petrus und Paulus?) in Gestalt zweier stehender, bärtiger Männer mit langen Gewändern. Der obere Abschluss wird durch eine Arkatur und einen darüber befindlichen Taustab gebildet, der untere Abschluss besteht aus einem Ornament aus drei übereinander angeordneten Herzen und einem darunter befindlichen Baumstumpf(?).
Die Schnitzarbeit ist wenig differenziert und war ehemals farbig gefasst.

Diese Figurenknagge zeigt drei Frauen mit Kind. Den oberen Abschluss bildet eine Arkatur, der ursprünglich darüber befindliche Taustab ist nicht mehr vorhanden. Den unteren Abschluss bilden ein Ornament aus drei übereinander angeordneten Herzen und ein darunter befindlicher Baumstumpf (?).
Es handelt sich um eine wenig differenzierte, ehemals farbig gefasste Schnitzarbeit.

Im Vordergrund stehen Anna als reife Frau, die das Jesuskind hält und rechts die mädchenhafte Maria. Überragt werden sie von Emerentia, der Mutter Annas, mit prächtiger Haube. Aus ihrer Schulter wächst ein Spross, der in einer Blüte mit Jesuskind endet.
Diese Ikonographie geht auf eine Legende zurück, die besagt, dass die Emerentia floh, um ihrer Hochzeit zu entgehen. Im Traum sah sie einen Baum, aus dem ein Spross wuchs, aus dessen Blüte als Frucht Jesus reift. Der Baum steht dabei für die Ehe, der Spross für ihre Tochter Anna, die Blüte für Maria.

Die Figurenknagge zeigt einen bärtigen Apostel, der leicht nach rechts gewandt ist und ein langes Gewand mit weiten Ärmelöffnungen trägt.
Er hält ein Buch in der linken Hand, und stützt sich mit der rechten auf einen Vorsprung.
Den oberen Abschluss milden eine Arkatur und ein darüber befindlicher Taustab, der untere Abschluss besteht aus einem Ornament aus drei übereinander angeordneten Herzen, unter welchen sich ein Baumstumpf (?)befindet.
Es handelt sich um eine wenig differenzierte, ehemals farbig gefasste Schnitzarbeit.