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Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst Skulpturensammlung [AE 395 1]

Eichenblattkapitell

http://www.smb-digital.de/eMuseumPlus?service=ImageAsset&module=collection&objectId=867784&resolution=superImageResolution#5400695 (Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin / Dr. Tobias Kunz (CC BY-NC-SA)

Description

Es handelt sich um ein schlichtes, hohes und kelchförmiges Kapitell, das mit aufrecht stehenden Eichenblättern geschmückt ist. Es scheint sich um ein Wandkapitell gehandelt zu haben, das nur dreiseitig ausgearbeitet war. Zum ursprünglich wohl fast frei stehenden Schaft hin grenzt ein gefaster Ring ab, der Übergang zur quadratischen oberen Platte ist nicht gestaltet. Blätter und Früchte sind relativ flach und lösen sich an keiner Stelle vom Kapitellkörper. Während die Blätter mit der einfachen Durchäderung der Finger stilisiert erscheinen, sind die jeweils zu Dreien aus einem Stängel sprießenden Eicheln durchaus naturalistisch. Auch das Vermeiden von Wiederholungen in der Anordnung belebt das Kapitell.
Größe und Form legt nahe, dass das Kapitell zusammen mit AE 396 Bögen eines kleinen gewölbten Raums, Blendarkaden oder eine Kleinarchitektur getragen hat. In der offensichtlich bis zur Zerstörung im 17./18. Jahrhundert noch erhaltenen romanischen Klosterkirche Marienzell bei Querfurt, ein dreischiffiger Bau ohne ausgeschiedene Vierung, kommt insbesondere der Lettner in Frage. Denkbar ist natürlich auch, dass die Kapitelle aus der Klausur stammen. Ein Vergleich mit den ähnlich gestalteten Kapitellen der Blendarkaden des sogenannten Achteckbaus des Meißener Doms, um 1270/80 im Winkel zwischen südlichem Seitenschiff und Querhausarm errichtet, zeigt, dass auch eine solche Platzierung in der Wand eines gotischen Raums möglich ist. Vorstellbar wäre auch eine Platzierung in der offenbar westlich der Kirche in unbekannter Zeit angebauten Vorhalle, die sekundär mit der Erneuerung der Grablegefunktion 1323 zusammenhängen könnte. Vielleicht stammt das Kapitell auch aus derselben Baukampagne wie ein weiteres Fragment aus dem Kloster Marienzell, einem Kapitell mit Säulensegmenten, das zu einem frühgotischen Wölbbau gehörte (Museum Burg Querfurt, Inv. V 1123 K 4). Auch hier ist das Ornament sehr flach, allerdings handelt es sich um eher konventionelle Rankenformen, wie sie im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts in Sachsen weit verbreitet waren.
Die hohe Kelchform und die naturalistischen Eicheln setzen frühgotische Formen voraus, die in der sächsischen Bauskulptur seit dem Auftreten des Naumburger Meisters um die Mitte des 13. Jahrhunderts verfügbar waren; die Verflachung der Blätter und das Vermeiden von Hinterschneidungen zeigen, dass es sich um noch spätere Werke handelt, auch wenn das Motiv der stehenden Blätter in sehr ähnlicher, aber stilisierterer Form bereits am ehemaligen Refektoriumsportal des sächsischen Zisterzienserklosters Altzella, heute an der Stadtkirche Nossen (um 1230) vorkommt.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Entstehungsort stilistisch: Sachsen

Historischer Standort: Marienzell bei Querfurt

Material/Technique

Sandstein

Measurements

Höhe: 20 cm (mit Schaftstück 39,5 cm); Breite: 17,5 cm; Tiefe: 14 cm

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Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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