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Südsauerlandmuseum Attendorn Skulpturen des Mittelalters 1200 -1550 [2001/3/5]

Eckkapitell

Eckkapitell (Südsauerlandmuseum Attendorn CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Südsauerlandmuseum Attendorn / Ralf Breer (CC BY-NC-SA)

Description

Das Eckkapitell befand sich zuletzt in der Nordostecke des nördlichen Querhauses der Attendorner Pfarrkirche. Es diente als Konsole für die Gewölberippen, die mit dem Neubau der gotischen Hallenkirche in der Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden. Bei der Erneuerung der neuzeitlichen Kirchenheizung im Jahre 2001, deren Rohre über Putz an dem Eckkapitell vorbei führten, wurde das Eckkapitell, zusammen mit dem aufliegenden Gewölbedienst (Inv. Nr. 2001/3/1-3) gesichert und durch Kopien ersetzt.

Trotz seiner starken Beschädigung durch Hitzeeinwirkung, ist die vegetabile Gestalt des Eckkapitells noch ablesbar. Es ist eng vergleichbar mit dem nördlichen Doppelkapitell der Viererarkade, die das Turmgeschoss der Attendorner Pfarrkirche zum Langhaus hin öffnet. Hier wie da schmücken dreigliedrige Palmetten, Zungenblätter und Blattstiele mit aufgereihten Kugeln den kelchblockförmigen Kern. Das Eckkapitell zeigt „zusammengefaltete“ Palmetten, die sich gegenüberstehen. Ihre glatte Seite wird von Perlen gerahmt, darauf folgen die Zungenblätter.
Die Schmuckform und Gestaltung entspricht nicht gotischem Formengut, sondern stammt aus spätromanischer Zeit. Die Verwendung eines Kapitells ohne Säulenschaft wiederspricht dem klassischen Architekturaufbau und belegt eine Wiederverwendung des Werksteins. Das kunstvoll gearbeitete Kapitell wurde, wie weitere romanische Säulen, Kapitelle und Basen, als Spolie wiederverwendet und in die im 14. Jahrhundert neu errichtete Pfarrkirche verbaut. Es ist anzunehmen, dass die Spolien aus der III. Bauphase der Attendorner Pfarrkirche stammen und damit in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert werden können. Die Wiederverwendung älterer Bauplastik mag zum einen kostensparende Gründe gehabt haben. Sicher ist aber auch die Wertschätzung der Steinmetzkunst und der Erinnerungswert an das vormalig benutzte Kirchengebäude ein wesentlicher Faktor. Zwar hatte man den Anspruch eine moderne Kirche im Stil der Zeit zu errichten, aussagekräftige Fragmente der alten Kirche, harmonisch in das Neue eingebunden, konnten aber gleichzeitig die lange Geschichte der Kirchengemeinde dokumentieren und sichtbar machen.

Felicia Schmaedecke, die sich im Rahmen der Auswertung der 1974 gewonnenen Grabungsergebnisse der Attendorner Pfarrkirche mit den verwendeten Spolien der Architektur auseinander setzte, resümiert einen starken niederrheinischen Einfluss auf die Bau- und Ornamentformen. Das hier beschriebene Eckkapitell entspricht ihren Beobachtungen folgend dem Motivkreis frühstaufischer Bauten wie der Schwarzrheindorfer Doppelkapelle (Weihe 1151, Erweiterung 1173) oder des Münsterkreuzganges in Bonn (wohl 1140-1169).
Insgesamt zeigt das Attendorner Formenrepertoire neben dem um 1220 modernen Drachenmotiv (Viererblockkapitell in der sich zum Mittelschiff öffnenden Turmempore) vornehmlich Kapitellgestaltungen, die älteren Stilstufen angehören und somit einen Rückgriff auf altertümliches Formengut zeigen. Die Spanne reicht dabei vom schlichten Würfelkapitell (Inv. Nr. 1254) über das blattverzierte Kelchblockkapitell bis zum spätromanisch-frühgotischen Knospenblattkapitell im Glockengeschoss des Attendorner Westturms. Ein Nebeneinander moderner und altertümlicher Formen ist in der Architektur des 13. Jahrhunderts jedoch keine Einzelerscheinung und kann auch an anderen Bauten beobachtet werden.

Material/Technique

Anröchter Grünsandstein

Measurements

H 29,5 cm; B 50 cm; T30,5 cm

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Literature

Keywords

Object from: Südsauerlandmuseum Attendorn

Der volle Name des Museums lautet "Südsauerlandmuseum Attendorn - Museum für Kunst- und Kulturgeschichte des Kreises Olpe in Attendorn" Das ...

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[Last update: 2018/05/04]

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